Vieles aus der afro-amerikanischen Tanztradition, welche primär zwei Charakteristika betont - kontinuierliche Improvisation und propulsive Rhythmen - wurde erst viel später sichtbar, so z.B. im geschmackvollen Tap eines Bill Robinsons oder Fred Astaire bis hin zu ‘Social Dances’ wie dem Charleston und dem Lindy Hop (oder Jitterbug). Ähnlich wie die in der Entwicklung des Jazz aufgetreten- en Formen durch Stile einzelner Instrumente und Musiker geprägt wurden (z.B. Louis Armstrong, Dissy Gillespie u.a.), so wurde auch der Steptanz immer wieder durch Stile einzelner Tänzer beeinflußt. Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts galt William Henry Lane, ein freier Schwarzer, als ‘The King of all Dancers’ und begeisterte Queen Victoria auf einer Europa-Tournee. Er selbst nannte sich ‘Juba’ nach dem kompetitiven Tanzstil, der von dem afrikanischen Step Dance ‘Giouba’ abstammt.
Mit am entscheidendsten war jedoch unbestritten Mr. Bill ‘Bojangles’ Robinson, dessen Beitrag für die Entwicklung des Steptanzes prägnant und spezifisch ist: Er brachte den Tap Dance.
Die Hey Days
Der mit dem Buck und dem Buck & Wing noch flachfüssig (close to the floor) getanzt wurde, hoch auf die Ballen, tanzte ihn aufrecht und ‘ swinging’ . Dies verlieh seinem Stil eine bis zum damaligen Zeitpunkt nicht gekannte Leichtigkeit und Präsenz. Bis heute gilt Bill ‘Bojangles’ Robinson als der Vater des modernen Steptanzes.
In den 20er bis 40er Jahren schließlich, den ‘Hey Days’ des großen Show Buisness, gab es kaum noch eine Show, einen Musical Film, ein Night Club Programm ohne mindestens eine herausragende Tap Dance Nummer. Der ‘B.S.Chorus’ (1923) und der ‘Shim Sham’ (1931) gelten bis heute als Standart-Routines, welche die seinerzeit gängigsten Basisschritte beinhalten. Auch heute noch wird der ‘Shim Sham’ als traditionelle Abschlußnummer getanzt, mit der sich alle Künstler gemeinsam auf der Bühne vom Publikum verabschieden.
Der Grund für die große Popularität des Steptanzes damals war seine Verbreitung durch die neuen Möglichkeiten des Tonfilms, die zu einem jahrzehntelang anhaltenden Boom von Musicals und Tanzfilmen führte. Unzählige Tanzpaare, wie Fred Astaire und Ginger Rogers oder Shirley Temple an der Seite von ‘Bojangles’ verzauberten die Massen der Kinobesucher. Mit den letzten großen Film-Highlights ‘Singing in the Rain’ 1952 und ‘An American in Paris’ 1954 mit Gene Kelly als Choreograph und Tänzer verschwand der Steptanz jedoch aus den Kinos. Die Stepper fanden in den weiterhin aktiven Jazzclubs mit ihrer ureigenen, faszinierenden Atmosphäre, durch die Improvisation mit Jazzmusikern verschiedener Stilrichtungen einen fruchtbaren Boden für neue Entwicklungen.
Die Renaissance
Der Steptanz erfuhr seine ‘Reviva’ bereits 1963 beim ersten Newport - Jazz - Festival. Neben der Glorifizierung des Pop, wurde das Festival symbolisch zur Befreiung der Schwarzen und ihres Kultur- erbes in den Staaten. Auf Einladung fanden sich die großen ‘Masters’ des Tap Dance hier wieder zusammen und lösten mit ihrer Show, neben Begeisterungsstürmen beim Publikum, einen Run auf die Tanzstudios aus.
Insbesondere in den 70er und 80er Jahren erhielt die Popularitätswelle des Steptanzes dann immer wieder neue Schübe: es gab wieder vermehrt Steptanz - Vorführungen. Filmstar und Hoofer Gregory Hines schuf in den Kinos mit Filmen wie ‘Cotton Club’ (1984), ‘White Nights’ (1985) und ‘Tap’ (1987) den Brückenschlag von der Faszination der 20er und 30er Jahre bis hin zur Gegenwart. Der Film ‘Tap’ (in Cast die Creme de la Creme der noch lebenden Tap Dance-Legende, u.a. Sammy Davis jr., Bunny Briggs und Jimmy Slyde) erregte bei seiner Eröffnung soviel Aufsehen, daß New York`s Bürgermeister Edward Koch die Woche des 6.Feb. 1989 zur offi- ziellen ‘Tap Week’ in New York deklarierte. Kurz nach der Urauf- führung des Films erklärte der amerikanische Senat Bill ‘Bojangles’ Robinson’s Geburtstag, den 25. Mai, zum ’National Tap Dance Day’ .
Die Weiterentwicklung in den 90er
Im Gegensatz zu den in den 80er Jahren am Broadway gezeigten Musicals wie ‘Bubblin Brown Sugar’, ‘42nd Street’, ‘Black & Blue’ und ‘Crazy for you’, welche noch ihre Hommage an die alte Zeit leisteten, etablieren die modernen Step-Musicals der 90er Jahre den Rhythm Tap am Broadway. Der in dem Film ‘Tap’ noch als hoffnungsvolles, jugendliches Talent bewunderte, heute 24-jährige Savion Glover - feiert nach seinem bereits außergewöhnlichen Broadway-Debut in ‘Jelly`s last Jam’ - heute große Erfolge mit seinem eigenen Steptanz-Musical ‘Bring in da Noise, Bring in da Funk’ und demonstriert der Schlange stehenden MTV-Generation die Kompatibilität von Steptanz mit den bekannten Jazz-Standarts ebenso wie mit moderner Hip Hop- und Funk-Music.
Steptanz lebt !!!